„Logos“ bedeutet Wort – zugleich aber auch Beweggrund, Gedanke und das innere Bedürfnis, etwas auszudrücken und zu gestalten. Unter diesem vielschichtigen Begriff vereint Konstantia Gourzi auf ihrem Album Logos – Works for Orchestra ihre ersten drei Orchesterwerke: Mykene (2002), Gedichte zu Prometheus (2005) und Ostern in Konstantinopel – des Wortes wegen – 11 Momente zwischen Ost und West (2009/10). Gemeinsam zeichnen sie den Weg einer Komponistin nach, deren Musik aus der intensiven Auseinandersetzung mit ihrer griechischen Herkunft ebenso entsteht wie aus dem Dialog mit der kulturellen Gegenwart.
Tradition erscheint bei Gourzi niemals als historisches Zitat. Sie wird zu lebendigem Material, das sich mit neuen musikalischen Erfahrungen verbindet. Charakteristisch ist dabei eine dramaturgische Kompositionsweise aus kurzen, konzentrierten Abschnitten: musikalische Miniaturen und Momentaufnahmen öffnen jeweils eigene Klangräume, fügen sich jedoch zu größeren, organisch zusammenhängenden Erzählungen.
In Mykene, Gourzis erstem Orchesterwerk, wird die archaische Kraft der antiken Stätte zum Ausgangspunkt sieben aphoristisch verdichteter Klangbilder. Geschichte, Mythos und persönliche Erinnerung überlagern sich in wechselnden rhythmischen und melodischen Schichten. Die vier Gedichte zu Prometheus greifen den Mythos des Erkenntnis suchenden Menschen auf. Tänzerische Bewegtheit, kantable Linien, geräuschhafte Strukturen und dramatische Tutti-Gesten formen vier unterschiedliche musikalische Zustände, die miteinander in Dialog treten.
Am weitesten öffnet sich dieser Dialog in Ostern in Konstantinopel. In elf „Momenten“ begegnen sich Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart, Orchester und Chor, byzantinischer Psalmengesang und ein eigens entwickelter Violinklang. Inspiriert von Istanbul und seiner vielschichtigen Klangwelt, entwirft Gourzi eine musikalische Brücke zwischen unterschiedlichen Traditionen, ohne deren Eigenheiten aufzulösen.
Logos macht damit einen zentralen Gedanken ihres Schaffens hörbar: Musik als Raum der Begegnung. Unterschiedliche Zeiten, Kulturen und Ausdrucksformen stehen nicht nebeneinander, sondern treten miteinander in Beziehung – getragen von der Überzeugung, dass gerade aus ihrer Verschiedenheit etwas Neues und Verbindendes entstehen kann.








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